VSCI heisst neu Carrosserie Suisse

07.Juni 2019 agvs-upsa.ch – Aus VSCI ist Carrosserie Suisse geworden. Mit diesem Namenswechsel setzte Felix Wyss, Präsident des Berufsverbandes der Carrossiers, einen langgehegten Wunsch um. Carrosserie Suisse ist griffiger als die etwas sperrige Abkürzung und wird in allen Landessprachen einheitlich ausgesprochen.
 

Rund 300 Interessierte verfolgten die Jubiläumsveranstaltung. (Fotos: Pino Stranieri / Séverine Nordhof)

sco. Die 56 an der Delegiertenversammlung im Verkehrshaus Luzern anwesenden Mitglieder hiessen die Namensänderung einstimmig gut. Mit diesem Beschluss bekräftigten die Delegierten auch den landesweiten Zusammenhalt der acht Sektionen mit ihren 650 Betrieben. Schon vor einiger Zeit hatte sich der Westschweizer Verband von FCR in Carrosserie Suisse umbenannt. Die DV beschloss auch den Beitritt des Verbandes in die AK Mobil, die Ausgleichskasse des AGVS und von 2rad Schweiz.
 
Während der Vormittag in Luzern im Zeichen der nüchternen statutarischen Pflichten stand, bot sich im Anschluss an die 99. Delegiertenversammlung ein anderes Bild. Die Schweizer Carrossiers feierten sich und ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem Forum zum Thema «Mobilität der Zukunft». In Anwesenheit von Branchenprominenz wie TCS-Zentralpräsident Peter Götschi, Erik Paul Papinski, Präsident des internationalen Carrosserie-Verbands AIRC, AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli, Wolfgang Schinagl, CEO der Auto-i-dat AG, oder auch Enzo Santarsiero, CEO der André Koch AG, diskutierten hochkarätige Referenten.
 
Der Ort für das Forum, das Kongresszentrum im Verkehrshaus Luzern, hätte nicht passender sein können: Während die Experten unter der Leitung von TV-Moderator Stephan Klapproth über Szenarien für unsere künftige Mobilität diskutierten und philosophierten, wuselten Hunderte von Schülern und Jugendlichen durch die Hallen des Verkehrshauses und belegten allein schon mit ihrer Anwesenheit und ihrem Interesse, dass die Mobilität auch für die folgenden Generationen ein Grundbedürfnis bleiben wird – ob nun konventionell mit dem Steuer in der Hand und den Füssen an den Pedalen auf der Strasse oder dereinst in autonom fliegenden Drohnen.
 
Lenhart: «Drohnen werden das Auto nicht ersetzen»
Dass diese in naher (oder ferner) Zukunft das Automobil auf Rädern ersetzen werden, hielt Peter Lenhart von der School of Engineering der ZHAW (Bild rechts) für äusserst unwahrscheinlich. Der Drohnenfachmann präsentierte in seinem Referat verschiedene mehr oder weniger weit fortgeschrittene Projekt von Passagierdrohnen. Sie alle eint ein grosses Problem: «Wo finden wir Raum für Start- und Landeplätze?» Lenhart machte klar, dass wir diese neuen Fluggeräte in Zukunft sehen werden. «Aber sie werden nicht das Auto ersetzen, sondern eher die heutigen Helikopter – sofern sie leiser und wirtschaftlicher sind.»
 
Den Auftakt in die Reihe der Referate machte Jörg Beckmann, Direktor der Mobilitätsakademie des TCS und Geschäftsführer von Swiss E-Mobility (Bild links). Beckmann fasste seine Erkenntnisse über künftige Megatrends in der Mobilität unter dem Slogan «E6» zusammen: Entkarbonisierung, Entprivatisierung, Entmotorisierung (in urbanen Räumen), Entglobalisierung, Entmaterialisierung und Entschleunigung. Während in der Schweiz aktuell rund fünf Prozent aller verkauften Neuwagen über einen Stecker verfügen (reinelektrisch oder Plug-in-Hybrid), beträgt dieser Anteil in Norwegen bereits 50 Prozent. Beckmann rechnet auch in der Schweiz «mit einem massiven Zuwachs in den nächsten Jahren». Alternativen wie Wasserstoff oder Power-to-Liquid wischte Beckmann mit dem Hinweis auf die Gesamteffizienz vom Tisch.
 
Ouboter: «Microlino kommt noch dieses Jahr»
Einer, der mit reinelektrischen Fahrzeugen den Markt aufmischen will, war der nächste Redner: Oliver Ouboter (Bild rechts), COO der Microlino AG und Sohn von Firmengründer Wim Ouboter, stellte sein reinelektrisches Stadtfahrzeug vor, das eigentlich in diesem Frühjahr hätte auf den Markt gebracht werden sollen. Ouboter – mit Dreitagebart, Lederjacke und offenem Hemd ganz der Typ Start-up-Unternehmer – präsentierte das Konzept der «Knutschkugel», die von den Kabinenrollern der 1950er-Jahre inspiriert ist, erzählte aber auch von den Schwierigkeiten und den Hintergründen des verzögerten Produktionsstart. Die Partnerfirma, mit der die Ouboters ihren 2016 in Genf als Prototypen präsentierten Microlino produzieren wollten, will offenbar ein sehr ähnliches Konkurrenzprodukt auf den Markt bringen. «Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass wir unseren Microlino noch in diesem Jahr auf die Strasse bringen.»
 
15'000 Reservationen wurden für das «Fast-Auto» bisher getätigt. Ouboter will den Zweiplätzer mit rund 125 Kilometern Reichweite ganz bewusst als Zweitwagen lancieren. «Die Hürde ist kleiner, ein Elektrofahrzeug als Zweitwagen zu kaufen. Viele der Teslas, die bei uns am rechten Zürichseeufer herumkurven, sind ebenfalls Zweitwagen», so Ouboter. «Irgendwo steht immer noch ein SUV…»
 
Wyss’ Glaube an den Menschen
Ob elektrisch oder konventionell mit Verbrennungsmotor angetrieben – Felix Wyss, der Präsident von Carrosserie Suisse, betrachtet die Gefahr als gering, dass seinen Berufskollegen die Arbeit ausgehen könnte. «Ich glaube an uns Menschen», begründete er seine Einschätzung mit einem verschmitzten Lächeln.


Im Anschluss ans Forum blieb beim Apéro auch Zeit fürs persönliche Netzwerk. Hier Erik Paul Papinski (2.v.l.) im Gespräch.
Feld für switchen des Galerietyps
Bildergalerie

Kommentar hinzufügen

Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Kommentare