Die Sektionen bündeln die Kräfte

Ein Ausschnitt aus der Grundkontrolle des neuen elektronischen Praxis-Handbuch.

15. Juni 2018 autoberufe.ch – Der Verband Schweizerischer Werkstattlehrer (VSW) und der AGVS sind überzeugt, mit dem neuen elektronischen üK-Lehrmittel zur Qualitäts- sowie Effizienzsteigerung in den Ausbildungszentren beizutragen und den Anforderungen der Digitalisierung in der Bildung adäquat zu begegnen.

tki. Anlässlich der AGVS-ZV-Klausurtagung in Bologna hat der Zentralvorstand vor bald vier Jahren beschlossen, die Zusammenarbeit mit den Sektionen zu intensivieren, Synergien zu nutzen und vermehrt in Netzwerkorganisationen mit den Sektionen und Partnern zu arbeiten. Dies, um das AGVS-Netzwerk besser zu nutzen und um effizienter und schlagkräftiger zu werden.

Eine weitere Zielsetzung lautete, dem Trend der Digitalisierung Rechnung zu tragen. «Mit dem Projekt elektronisches Praxis-Handbuch für den üK wird all diesen Vorhaben Rechnung getragen», so Olivier Maeder, der beim AGVS für die Bildung zuständig ist. Das elektronische Novum, das vom Berner IT-Spezialisten ionesoft (siehe Interview) entwickelt worden ist, steht nun in den Startlöchern. Das Praxis-Handbuch gibt es für die ersten Lehrjahre der technischen Grundbildung (neue BiVo) ab August 2018 in Deutsch. Die französische Version soll im Jahr 2019 folgen; allenfalls auch die italienischsprachige Variante. Derzeit geht die Erfassung der Inhalte für das erste Lehrjahr der Berufe Automobil-Assistent, Automobil-Fachmann und Automobil-Mechatroniker gemäss den neuen Bildungsplänen über die Bühne.


Zentral, einheitlich, immer aktuell
«Unterlagen für den üK müssen nun nicht mehr in jedem einzelnen Zentrum erstellt und gedruckt werden, sondern werden durch ein Autorenteam erarbeitet, allen üK-Zentren zur Verfügung gestellt und zentral aktualisiert», erklärt Maeder. Dies erhöht nicht nur die Effizienz, sondern steigert auch die Qualität der Unterrichtsmaterialien. «Es ist nun sichergestellt, dass die modernsten Lehrmittel eingesetzt werden und wir national bei der Digitalisierung in der Grundbildung am Ball bleiben», betont Maeder. Freude und Überzeugung, die der AGVS-Bildungsverantwortliche im jüngsten Schreiben an die Sektionen teilte. Darin ist unter anderem festgehalten, dass der AGVS den Vertrieb des Praxis-Handbuchs übernimmt und die Rechte an den Inhalten besitzt. Der Verband Schweizerischer Werkstattlehrer (VSW) zeichnet für die Projektleitung und für die Erstellung der Inhalte des elektronischen Praxis-Handbuchs verantwortlich. Kurzum: «Das Projekt entspricht voll und ganz der AGVS-Strategie oder man kann es auch so sagen: Gemeinsam sind wir stärker!»
 

In der Praxis

«Sämtliche Lehrmittel sind nun aufeinander abgestimmt»
tki. Das Berner IT-Unternehmen ionesoft zeichnet für das neue elektronische üK-Praxis-Handbuch. Geschäftsführer Daniel Stainhauser verspricht Nutzerfreundlichkeit und erste Qualität.
 
Herr Stainhauser, welchen Bedürfnissen des AGVS hatten Sie bei der Entwicklung des neuen elektronischen Lehrmittels für üK-Absolventen der Autoberufe gerecht zu werden?
Daniel Stainhauser: Die üK-Absolventen benötigen ein elektronisches Lehrmittel, das sowohl in der Werkstatt beim Fahrzeug, unterwegs im Zug als auch im Klassenzimmer genutzt werden kann. Daher ist ein flexibles Format besonders von Vorteil, das auf Smartphone und Laptop eine optimale Darstellung liefert. Wir nutzen dazu das sogenannte «Fliesstext EPUB Format». Das Lehrmittel wurde komplett neu digital erfasst, um so bereits bei der Erstellung diese Anforderungen zu berücksichtigen.

Was unterscheidet das neue Medium von jenen elektronischen üK-Lehrmitteln anderer Grundbildungsberufe?
Dank der Koordination der Berufsschulen, der üK-Zentren und weiterer Verlage konnte in Zusammenarbeit mit ionesoft für die Autoberufe ein Gesamtangebot in derselben eBook-Plattform von beook geschaffen werden. Den Berufslernenden stehen so sämtliche Lehrmittel in einer App zur Verfügung. Diese Lehrmittel sind aufeinander abgestimmt und können nebeneinander genutzt werden. So kann beispielsweise mit einer Volltextsuche über sämtliche Lehrmittel innert weniger Sekunden jeder Begriff gefunden und nachgelesen werden.
 
Sind die üK-Lehrmittel mit den weiteren Berufsschullehrmitteln kompatibel?
Verlinkungen zwischen den Lehrmitteln der Berufsschule und dem üK sind möglich. Interaktive Aufgaben, eigene Seiten, Bilder, Fotos, Zusammenfassungen, verschiedenste Notizen, all dies steht sogar offline vom Smartphone über das Tablet bis zum PC in einer App zur Verfügung. Mit der Cloud Synchronisation sind die Daten gesichert, ein nicht unwesentlicher Aspekt für eine erfolgreiche Ausbildung. Letztendlich können die üK-Leiter eigene Inhalte direkt ins eBook der Berufslernenden teilen.
 
Autoberufe haben Zukunft – haben es die neu entwickelten Lehrmittel auch oder stehen aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung in der IT-Welt schon bald Überarbeitungen an?
Durch das modulare Konzept, das bereits bei der Erfassung der Daten nach Leistungszielen und Fachrichtungen getrennte und wiederverwendbare kleine Komponenten erlaubt, lassen sich die Lehrmittel stetig mit neuen Inhalten versehen. Die beook-Technologie erlaubt es, jederzeit diese Inhalte mit einer Aktualisierung in der App auf den neusten Stand zu bringen, ohne dass dabei die bereits angebrachten Notizen und eigene Inhalte verloren gehen. Die digitale Zukunft kann beginnen.
 

In der Praxis

«Das Lehrmittel ist den Bedürfnissen der heutigen Zeit angepasst»
tki. Sven Zenklusen ist Werkstattlehrer im Ausbildungszenter Zentralschweiz. Mit Christof Müller, Vorstandsmitglied des Verbands Schweizerischer Werkstattlehrer (VSW), leitet er das Projekt «elektronisches Praxis-Handbuch».
 
Herr Zenklusen, gleich vorweg: Wie sind Sie mit dem Novum zufrieden?
Sven Zenklusen (Bild links): Sehr zufrieden. Das Lehrmittel liefert Hinweise zu praktischen Tätigkeiten und ist genau auf den Bildungsplan der einzelnen Berufsgruppen abgestimmt. Das Praxis-Handbuch ist durch die Notizfunktionen sehr dynamisch und kann von jedem Benutzer individuell ergänzt werden.

Herr Müller, was dürfte den üK-Lehrpersonen, was den Lernenden gut gefallen?
Christof Müller (Bild rechts): Ein kurzer Text, ein gutes Foto oder ein Video – Lehrpersonen und Lernende können ihre Ideen und Gedanken direkt beim jeweiligen Thema platzieren. Die Inhalte sind dank der Smartphone-App immer dabei und können untereinander geteilt werden. Ebenso darf das Lehrmittel am Qualifikationsverfahren eingesetzt werden.


 

Welche Besonderheiten hatten Sie bei der Entwicklung des elektronischen Lehrmittels  zu beachten?
Sven Zenklusen: Bis anhin hat jedes üK-Zentrum die Unterlagen nach seinen Vorstellungen erstellt. Die grösste Herausforderungen ist, die verschiedenen Ideen und Inhalte zu synchronisieren. Da bekanntlich 2018 neue Bildungspläne in Kraft getreten sind, wurden diese eingehend detailliert analysiert.

Autoberufe und die AGVS-Grundbildung haben Zukunft – damit dies auch beim Lehrmittel so bleibt, stehen bestimmt schon die nächsten Arbeiten an?
Christof Müller: In den kommenden Jahren steht die Fertigstellung und Optimierung der Praxis-Handbücher im Vordergrund. Zusätzlich werden wir uns bemühen, die Inhalte stetig der rasanten Fahrzeugentwicklung anzupassen. Mit der Einführung der elektronischen Lehrmittel wird der Unterricht auf die Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst.

 
 
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