Ausblick auf den Personenwagenmarkt: Auf Boom-Phase folgt leichter Rückgang

Bern. 1. November 2016 – Der Boom im Neuwagenmarkt neigt sich dem Ende zu. Dafür kaufen Herr und Frau Schweizer wieder mehr Occasionen. So lassen sich die ersten neun Monate 2016 in der Autobranche zusammenfassen. Für das ganze Jahr rechnet das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsinstitut BAKBASEL mit einem Rückgang bei den Neuwagen von 3,7 Prozent und einem Plus bei Gebrauchtwagen von 1,2 Prozent gegenüber 2015.

Konjunkturausblick für das Schweizer Autogewerbe
BAKBASEL Branchen-Outlook 2017 [PDF]

Die Preise steigen wieder

4. Oktober 2016 agvs-upsa.ch - Der am Freitag zu Ende gegangene September war für die Schweizer Automobilbranche ein Monat auf Rekord-Niveau. Mit 26‘145 Neuimmatrikulationen stellt er den zweitbesten September des Millenniums nach 2011 dar.

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Exakt 2‘009 Neufahrzeuge mehr als im ebenfalls sehr erfolgreichen Vorjahresmonat kamen auf die Strassen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein, ein Zuwachs von 8,3 Prozent. Damit wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 232‘183 Autos erstmals immatrikuliert, hier verbleibt ein Minus von 3,1 Prozent oder 7410 Einheiten. Diese Entwicklung liegt jedoch deutlich über den Erwartungen von auto-schweiz. Die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure rechnet für das laufende Jahr mit rund 5 Prozent Marktrückgang.

4x4 mit Wachstumsschub
Andreas Burgener, Direktor von auto-schweiz, analysiert die Statistik wie folgt: «Der Marktanstieg lässt sich vor allem auf die hohe Nachfrage nach Allradfahrzeugen zurückführen, ein für den Herbst bekanntes Phänomen.» Die Zahl allradgetriebener Autos stieg allein um 1879 Einheiten oder 18,3 Prozent auf 12‘150. Damit erreichte der 4x4-Antrieb im September einen Rekord-Marktanteil von 46,5 Prozent. «Angesichts des herannahenden Winters greifen unsere Kunden verstärkt zu allradgetriebenen Fahrzeugen. Das freut uns einerseits natürlich, andererseits führt es über Mehrgewicht der Fahrzeuge auch zu steigendem CO2-Ausstoss und damit zu einer stärkeren finanziellen Belastung unserer Mitglieder», so Burgener weiter. Der kommende CO2-Grenzwert von 95 g/km, der ab 2021 gelten soll, müsse deshalb mit Vernunft und Augenmass an die Besonderheiten des Schweizer Automarktes adaptiert werden.

Doppelt so viel Hybride
In diesem Zusammenhang erfreulich ist der anhaltende Trend zu elektrifizierten Antrieben. Gar eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahresmonat schafften die Benzin-Hybride (+544 Fahrzeuge oder 104,6%), auch reine Elektroautos wurden stärker nachgefragt als vor Jahresfrist (+169 oder 60,4%). Sämtliche Alternativ-Antriebe kamen zusammen auf 1682 Neufahrzeuge – ein Plus von 70,8 Prozent auf nach wie vor niedrigem Niveau, mit 6,4 Prozent aber mit wachsendem Marktanteil. Der Dieselantrieb konnte bei den Stückzahlen ebenfalls 5 Prozent gewinnen. Für das Gesamtjahr liegen sowohl Elektro- als auch Dieselfahrzeuge in absoluten Zahlen ungefähr auf Vorjahresniveau, während Benzin-Hybride um 32,5 Prozent zulegen konnten (+1752).

Die detaillierten Zahlen nach Marken stehen unter www.auto.swiss zur Verfügung.



Risiken und Herausforderungen für das Autogewerbe
Die globale Konjunktur bleibt anfällig für Rückschläge, welche auch die Entwicklung im Schweizer Autogewerbe meist auf indirektem Wege beeinflussen könnten. Neben einer wirtschaftlichen Baisse in China und den Auswirkungen der bevorstehenden Leitzinserhöhungen in den USA ist insbesondere auch der Verbleib Griechenlands in der Eurozone noch nicht gesichert. Das Schweizer Autogewerbe sieht sich zunehmenden Herausforderungen aus dem Inland gegenüber. Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, die anforderungsreiche Fachkräftesituation und umweltpolitische Interventionen von Regierungskreisen stellen Unsicherheitsfaktoren von politischer Seite dar. Im Autogewerbe selbst steht zudem ein anhaltender Verdrängungskampf im Fokus der kommenden Jahre.


Die wichtigsten Zahlen rund um das Autogewerbe finden Sie hier.

Den aktuellen Branchenspiegel des Schweizer Autogewerbes finden Sie unter: www.figas.ch

Hier finden Sie das im Auftrag des AGVS von BAKBASEL erstellte Branchenporträt über das Schweizer Autogewerbe sowie den Konjunkturausblick für das Schweizer Autogewerbe 2017.

Hier finden Sie die aktuellsten Zahlen von auto-schweiz sowie des Bundesamtes für Statistik BFS zum Thema Mobilität und Verkehr

Kleines Vademecum

Halterwechsel
Ein Halterwechsel ist die Umschreibung eines bereits zugelassenen Fahrzeuges auf einen anderen Halter. Dabei wird das Fahrzeug durch den bisherigen Halter abgemeldet und auf den neuen Halter zugelassen. Dieser Ablauf erfolgt für den Privat- sowie für den Fachhandel.

Die publizierten Quartalszahlen beinhalten die umgeschriebenen Fahrzeuge durch den Fachhandel (Garagen/Occasionshändler) und den Privathandel (Privat zu Privat).

Nun gibt es diverse Mutationen, welche mit einem eigentlichen Halterwechsel nichts zu tun haben, und trotzdem systembedingt eine Mutation auslösen. Dies sind z. B. Kantonswechsel, Schilderwechsel oder Namensänderung durch Heirat. Diese «falschen Halterwechsel» werden, sofern erkennbar, herausgefiltert und nicht gezählt.

Hingegen sind auch Halterwechsel enthalten, bei denen kein Fahrzeugverkauf zugrunde liegt, sondern «taktische» oder andere Überlegungen. Es sind dies Halterwechsel innerhalb der Familie oder Kurzzulassungen von Neuwagen mit nachfolgender Umschreibung auf den effektiven Käufer.

Diese Faktoren werden bei der Ermittlung der Umsätze im Occasionshandel durch die Branche berücksichtigt.

Standzeiten
Im Zusammenhang mit einem Halterwechsel versteht man unter der Standzeit die Zeitdifferenz zwischen der Abmeldung des Fahrzeugs durch den bisherigen Halter und der Anmeldung durch den neuen Halter. Die gesamte Standzeit wird also ermittelt, sobald für das Fahrzeug ein neuer Käufer (Halter) gefunden wurde.

Für unsere Branche sind primär die Standzeiten des Fachhandels von Bedeutung und nicht die des Privathandels. Da bei einem Halterwechsel nicht ersichtlich ist, aus welchem Grund und durch wen (Händler oder Privatperson) dieser zustande kam, wird zur Eliminierung des Privathandels die Höhe der Standzeit als Kriterium genommen. Sehr kurze Standzeiten (< 4 Tage) werden nicht berücksichtigt, um einen Grossteil des Privathandels auszuklammern. Ebenso werden sehr lange Standzeiten (> 540 Tage) nicht berücksichtigt. So ist eine Trendaussage über die Standzeiten beim Fachhandel möglich.


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